„Kosten für Digitalisierung müssen bezahlt werden“

KVWL erneuert Forderung nach Praxiszukunftsgesetz – Innovatives „Digi-ManagerIn“-Programm wird fortgesetzt 

Vorstand der KVWL
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Dortmund, 24.06.2025 – Die Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen sind immens: Auf der einen Seite führen gesamtgesellschaftliche Entwicklungen wie demografischer Wandel und zunehmende Morbidität zu Rekordausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), die Krankenkassenbeiträge steigen. Auf der anderen Seite belastet eine bislang ineffiziente Patientensteuerung das System. Die Folge: Über-, Unter- und Fehlversorgung. Einer der entscheidenden Hebel, um die Probleme in den Griff zu bekommen, lautet: Digitalisierung. Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) informierte am Dienstag (24. Juni) während einer digitalen Pressekonferenz über den Digitalisierungsstand der westfälisch-lippischen Praxen, erläuterte, welche Hürden noch zu nehmen sind und erneuerte die Forderung nach einem Praxiszukunftsgesetz.

„Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen in Westfalen-Lippe stehen beim Thema Digitalisierung sicher nicht auf der Bremse, ganz im Gegenteil! Schon heute sorgen digitale Tools – wenn sie störungsfrei funktionieren und sauber implementiert wurden – für eine verbesserte Behandlungsqualität. Die meisten Praxisteams arbeiten jedoch am Anschlag. Daher müssen digitalisierte Prozesse auch immer zu einer spürbaren Entlastung führen. Deshalb engagieren wir uns als KVWL beispielsweise auch als Modellregion bei der Einführung von digitalen Massenanwendungen wie dem elektronischen Rezept und der elektronischen Patientenakte, um für möglichst praxisnahe Lösungen zu sorgen“, sagte Anke Richter-Scheer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVWL

Digitale Transformation ist an Bedingungen geknüpft
Eine zukunftsgerechte Ausstattung der Praxen mit digitalen Tools und dazugehöriger Hardware ist dabei Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche digitale Transformation der Praxen. Allerdings erzeugt sie auch finanzielle und zeitliche Aufwände. Anke Richter-Scheer: „Die Kosten für die Digitalisierung müssen bezahlt werden, sie dürfen nicht bei den Praxen hängenbleiben. Als KVWL fordern wir daher weiterhin ein Praxiszukunftsgesetz. Dieses sieht – analog zum Krankenhausbereich – unter anderem die Einführung eines Investitionsförderprogramms durch den Bund vor. Dadurch könnten die Praxen Förderanträge über die jeweilige Landes-KV stellen, um Ausstattung und Betrieb einer digitalen Praxis sicherzustellen. Dieses Thema muss die Bundesgesundheitsministerin jetzt zügig angehen.“

KVWL-Chef Spelmeyer zur Patientensteuerung: „Digitale Prozesse unverzichtbar“
Auch bei der derzeit viel diskutierten Patientensteuerung kommt man an einer nachhaltigen Digitalisierung nicht vorbei. Hausärztinnen und Hausärzte, Kinder- und Jugendmediziner sowie die grundversorgenden Fachärzte sind Vertrauenspersonen für ihre Patienten. „Durch diese enge Arzt-Patienten-Beziehung sind sie dafür prädestiniert, eine wichtige Steuerungsfunktion in der ambulanten Regelversorgung wahrzunehmen. Sie darf aber nicht zu einer zusätzlichen Belastung der Bezugspraxen führen. Auch hier sind ausgereifte digitale Prozesse unverzichtbar, um eine möglichst effiziente Patientenbehandlung gewährleisten zu können. Zudem muss die zusätzliche Koordinierungsarbeit angemessen vergütet werden“, sagte Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL.

Digitale Ersteinschätzungssysteme
Eine zentrale Säule der Patientensteuerung bilden schon heute die Patientenhotline 116117 und die Online-Plattform 116117.de. Sie dienen als wichtige Anlaufstellen für medizinische Anliegen, insbesondere außerhalb der Praxisöffnungszeiten. Durch das Gesamtangebot der 116117 und vor allem auch durch die Nutzung digitaler Ersteinschätzungssysteme – wie das ‚Patienten-Navi‘ auf 116117.de – kann die Versorgung gezielt nach medizinischer Dringlichkeit gesteuert werden. „Die 116117 ist der Schlüssel zu einer modernen und effizienten Patientensteuerung. Der Weg über die 116117 entlastet die Praxen und sorgt dafür, dass knapper werdende Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten gebraucht werden,“ erklärte Dr. Dirk Spelmeyer. „Dabei entlastet die strukturierte Ersteinschätzung durch qualifiziertes Personal nicht nur die Praxen der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, sie unterstützt vor allem auch die Patienten dabei, schnell und ohne Umwege ein passendes Behandlungsangebot zu bekommen.“ Derzeit wird das Angebot der 116117 jedoch ausschließlich durch die Kassenärztlichen Vereinigungen finanziert. „Wenn dieser Service ausgebaut werden soll, muss der Bund entsprechende Investitionen tätigen. Schließlich handelt es sich hierbei um ein Angebot der Daseinsvorsorge.“

Innovatives „Digi-ManagerIn“-Programm geht in die nächste Runde
Um die Praxen in Westfalen-Lippe bei der Digitalisierung bestmöglich zu unterstützen, setzt die KVWL ihr innovatives „Digi-ManagerIn“-Programm fort. Schon heute sind beispielsweise Online-Terminvergabe, digitale Voranamnese, Online-Rezeptbestellung oder Videosprechstunden vielerorts im Einsatz. Vor diesem Hintergrund hat die KVWL einen speziellen Fortbildungslehrgang konzipiert, der sich an nichtärztliches Praxispersonal richtet. Die angehenden Digi-Managerinnen und -Manager lernen dabei unter anderem den Digitalisierungsgrad ihrer Praxis zu analysieren und Prozesse nachhaltig und sinnvoll zu digitalisieren. Nachdem die Fortbildung 2023/24 erfolgreich als Pilotprojekt gestartet ist, wird das Programm ab sofort zweimal jährlich angeboten. Die Bewerbungsphase für die dritte Runde ist vor wenigen Tagen gestartet. „Die Rückmeldungen aus den ersten Jahrgängen waren durchweg positiv. Die Praxisteams haben dadurch einen echten Digitalisierungsschub erhalten. Daher stand es für uns außer Frage, dieses erfolgreiche Programm weiterzuentwickeln und fortzusetzen“, so Anke Richter-Scheer.

Das Thema Digitalisierung ist auch ein zentraler Punkt des Positionspapiers „Baustein für Baustein – ein starkes Fundament für die ambulante Versorgung der Zukunft“, das die KVWL vor wenigen Wochen vorgestellt hat. Die entsprechenden Bausteine finden Sie in der Pressemappe. Das vollständige Papier finden Sie bei Interesse auf unserer Internetseite unter: www.kvwl.de/positionspapier

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